In Deutschland sind ca. 1,77 Mio. Menschen von der Alkoholabhängigkeit betroffen.

74.000 Betroffene sterben pro Jahr an den direkten und indirekten Folgen des riskanten Alkoholkonsums oder durch den kombinierten Konsum von Alkohol und Tabak.

15% dieser Menschen begehen jedes Jahr Suizid.

Die Rückfallquote liegt bei 70-80%.

(Bezugsgröße der Angaben das Jahr 2019)

Für die Angehörigen der Betroffenen sind diese Zahlen besonders erschreckend. Die Frage nach der Möglichkeit eines Hilfsangebotes wird daraus besonders deutlich. Der Saftladen erkannte diesen zunehmenden Bedarf und schuf eine Plattform: Die „Happy People“ (zu deutsch. „glückliche Leute“). Dies ist eine Angehörigengruppe, die Angehörige und Interessierte von Alkoholkranken/Drogenkranken aufsuchen können, die Rat suchen und sich mit Gleichgesinnten austauschen wollen. Die „Happy People“ wollen zeigen, dass die Thematik Alkoholabhängigkeit nie einen einzelnen allein betrifft, sondern auch sein Umfeld. „Happy“, weil niemand der Angehörigen mit dieser Situation allein gelassen werden muss und sollte. Hier findet man Halt und Unterstützung, Vertrauen und Sicherheit.

Frau Silke Ribal ist Medizinische Dokumentations-Assistentin und Suchtberaterin am Universitätsklinikum Magdeburg und arbeitet ehrenamtlich im „Saftladen Magdeburg“. Sie begleitet einmal im Monat freitags von 15:00 Uhr bis 17:00 Uhr die Angehörigengruppe. Kostenlos und verschwiegen.

Anliegen von „Happy People“

Angehörige von Abhängigkeitserkrankten werden oft nicht ausreichend in die Therapie mit einbezogen. Wenn auch nicht selbst (Alkohol)abhängig, brauchen auch sie Informationen zu möglichen Ursachen und zum Verlauf der Suchterkrankung. Viele Angehörige haben Sorgen und Fragen wie es weitergeht und wie sich ein Leben in Abstinenz gestaltet.

Die SHG „Happy People“ möchte den Angehörigen von Alkoholkranken helfen und ihnen wieder Mut zusprechen, kraftvoller und unabhängiger mit ihrem nahestehenden Familienmitglied/Freund/guten Bekannten umzugehen.

Arbeit der Angehörigengruppe

Durch die Sucht des Partners oder anderer nahestehender Personen ist oft eine Co-Abhängigkeit zu verzeichnen. Frau Ribal kennt sich in dieser Thematik gut aus, da sie Vorträge über Suchterkrankungen hält, die betriebliche Suchtkrankenhilfe bei ihrem Arbeitgeber vollzieht und im sozialen Projekt „Saftladen“ als ehrenamtliches Mitglied in der Suchtkrankenhilfe (Klärung der Frage: Bin ich süchtig?) tätig ist sowie als Suchtberaterin die Angehörigengruppe im sozialen Projekt „Saftladen“ seit 28.07.2017 betreut.

Ein Austausch unter Angehörigen ist dahingegen sinnvoll, da auch diese Menschen Gesprächsbedarf und einen Anlaufpunkt benötigen, der sie in dieser alltagsbegleitenden Thematik auffängt. Ihr Leid oder ihre Erfahrungen mit der Krankheit loszuwerden, Fragen zu stellen oder den Tod eines geliebten Menschen durch die Krankheit zu verkraften, ist nicht einfach. In einem zwanglosen Kontext können Wahrnehmungen, (Lebens-)Einstellungen und (fachliche) Ratschläge zum Umgang mit der Situation ausgetauscht werden.