Kaffee zählt zu den Lieblingsgetränken von uns Deutschen. Viele „brauchen“ ihn, sonst kommen sie morgens erst gar nicht in den Tag. Wie aber wirken die Dosen von Coffein auf den Menschen?

Die ToDo-Liste ist lang, die Herausforderungen im Beruf, im Studium und im Privatleben sind nicht nur zeitintensiv, sondern auch kräftezehrend. Jedoch sind es die starken Menschen, die immer fokussiert und beherrscht in all dem Trubel und der Hektik gesellschaftlich anerkannt und bewundert werden.

Es sind die Macher, denen gern auch immer mehr aufgebürdet wird. Sie lassen dieses aber auch geschehen. Die Grenzen der eigenen Leistungsfähigkeit werden negiert zugunsten von Bestätigung und Anerkennung. Die Fähigkeit „Nein“ zu sagen, ist bei weitem nicht jedem Menschen gegeben und so ist die Vorstellung, sich und seine Leistungsfähigkeit zu tunen oder zu dopen verlockend. Aber ist Neuro-Enhancement eine Alternative?
Schüler und Studierende würden mittels Neuro-Enhancement ihre Prüfungen besser schaffen, Berufstätige bewältigen den stressigen Arbeitstag leichter, Manager und Angestellte in den Führungspositionen sind länger leistungsbereit und in der Lage, Spitzenleistungen zu vollbringen. Wachheit, Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit können deutlich gesteigert werden. Angst und Unruhe sollen gemindert werden, ist das der Garant für effektivstes Arbeiten?

Unsere Autorin Silke Ribal ist Medizinische Dokumenttations-Assistentin und Suchtberaterin am Universitätsklinikum Magdeburg. Sie arbeitet ehrenamtlich im „Saftladen Magdeburg“ und begleitet hier die Angehörigengruppe.
In regelmäßig unregelmäßigen Abständen veröffentlicht sie im „UMMD aktuell“ zum Thema Sucht.

Möchten gesunde Menschen ihre Hirnleistung steigern, müssten sie viel trainieren, um die Merkfähigkeiten zu erhöhen und die Vigilanz zu verbessern. Meist wird aber auf psychoaktive Substanzen zurückgegriffen, da die Wirkung viel schneller verfügbar zu sein scheint. Das geht auf dem illegalen Weg, indem Drogen wie Kokain, Ecstasy, Amphetamine (Meth, Crystal) konsumiert werden. Dabei besteht jedoch nach nur wenigen Einnahmen die Gefahr der Abhängigkeit und die Drogen müssen risikoreich und finanziell aufwendig beschafft werden.

Unter pharmakologischem Neuro-Enhancement versteht man die Einnahme von psychoaktiven Substanzen aller Art mit dem Ziel der geistigen Leistungssteigerung.

Der legale Weg wird über die Einnahme von Arzneimitteln im Sinne des Fehlgebrauchs beschritten. Hier stehen einige Psychostimulanzien zur Verfügung, die frei verkäuflich sind. Zu den natürlichsten Formen gehören hochdosiertes Coffein, Gingko biloba oder auch Energydrinks. Bestimmte Antidepressiva (Serotoninwiederaufnahmehemmer, Antidementiva) und Psychostimulanzien die ursprünglich für erkrankte Menschen entwickelt wurden, werden im Bereich des Neuro-Enhancement missbräuchlich und ohne medizinische Indikation eingenommen.
Die Debatte um Nutzen und Risiken wird kontrovers geführt, jedoch muss hier auch hinterfragt werden, ob man über die missbräuchliche Einnahme der genannten Substanzen diskutieren sollte, ohne das fortwährende Leistungsstreben außen vor zu lassen. Allein die Bereitschaft zur Einnahme legaler psychoaktiver Substanzen zur Leistungssteigerung ist alarmierend und wird gern verharmlost als eine Phase, in der es gerade vor dem Hintergrund bestehender Ansprüche und Aufgaben nicht anders gehe.
Jedoch ist es langfristig grundverkehrt und krankmachend, wenn die Signale der Erschöpfung übersehen oder sogar ignoriert werden. Dies bedeutet Stress für den Körper und kann in
die seelische und/oder körperliche Erschöpfung münden. Sich auf Verschleiß zu fahren, geht nicht gut.

Neuro-Enhancement – Grenzenlos belastbar und leistungsfähig?